Jul
09
2009
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Future Intoxication 11

Future Intoxication 11

Future Intoxication 11 – eine Clubzeitschrift der »Science Fiction Interessengemeinschaft Harburg«

Herausgeber: Jürgen Heckert, Ehestorfer Weg 73, 21 Hamburg 90
Redaktion: Jürger Heckert,
Auflage: unbekannt, Preis: 1,50 DM (inkl. Porto), Umfang: 60 Seiten Din A4, Druck: Wachsmatrizenumdruck, Offsetdruck (Umschlag), Dezember 1969

»Future Intoxication ist eine jugendeigene Zeitschrift und seit dieser Nummer leider ein Egozine.«

Wenn man in den Keller geht und sich blind eine Ausgabe eines alten Fanzines angelt, kann es durchaus passieren, dass man die letzte Ausgabe des Fanzines erwischt – so wie in diesem Fall: »Wie Sie sich sicher erinnern werden, sollte die Nr. 11 am 1. September 1969 erscheinen. (…) Das Dumme war nur, daß meine lieben Mitarbeiter, noch bevor sie einen Handschlag getan hatten, ihren Dienst aufgaben. Da saß ich nun allein mit einem Haufen Arbeit«, schreibt Jürgen Heckert auf Seite 4 im Vorwort.

Vielleicht ist dies deshalb nicht gerade eine typische Ausgabe dieses Fanzines, aber zumindest bietet das Heft Kurzgeschichten und Rezensionen und sogar einen Artikel über mögliches außerirdisches Leben (»Gasballon – Tiere auf fremden Planeten« von Gustav Adolf Henning). Die Kurzgeschichte »Zufall« von Wilfried Rumpf ist eine kleine Fingerübung von nicht gerade hohem Niveau (heutzutage findet man oft sogar in Clubzines besseres), aber die nächste Story ist eine Überraschung: es ist nämlich ein bislang in keiner Bibliographie erwähnter Abdruck von »Die Invasion der Krabben« von A. Dneprow (gemeint ist Anatolji Dneprow, der Originaltitel lautet »Kraby idut po ostrovu«) mit der Übersetzung aus »Sowjetliteratur 5« von 1968. 1972 erschien die Geschichte u.a. übrigens auch in einem Goldmann-Taschenbuch als »Die Insel der Krebse«. Wiederum belanglos ist hingegen »Ich bin die Sonne (Auszüge aus dem Tagebuch Sols)« von Andreas Huhn.

Am schönsten und amüsantesten sind allerdings die Rezensionen in diesem Fanzine, die von Horst Pukallus und Jürgen Heckert stammen, wobei kein eindeutiger Nachweis erfolgt, wer welchen Text verfasst hat. Es genügt hier eigentlich zu zitieren: »Fern jeden „modernen“ SF-Geschwafels, dessen dümmste Machwerke gar mit einem Preis bedacht werden, dem sogenannten HUGO (benannt nach dem seligen Elektriker Hugo Gernsback, der ein Busenfreund des unheilbaren Graphomanen Walter Ernsting alias Clark Darlton war) findet man am Rande des Marktes immer wieder kleine Perlen, die mehr wert sind als das Geschmiere sämtlicher deutscher Pseudoschriftsteller zusammen. (…) Nichts für stumpfäugige Raumschlacht-Enthusiasten!«

Future Intoxication 11 - Das Vorwort

Future Intoxication 11 - Das Vorwort

Schön zu lesen ist aber auch die Kritik an einer Anthologie: »HOLDOUT ist seit langer Zeit der größte Absud, den zu lesen ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, denn Sheckley schlägt sich hier mit Rassenproblemen herum. Zwei Raumfahrer, die aus dem gleichen Bundesstaat der USA stammen, sind sich nicht wohl gesonnen, denn der eine ist ein Halbindianer. Für diese reaktionäre Story hat Sheckley mindestens dreißig Jahre Dunkelhaft verdient.
Das Fazit: Die ganze Kollektion gehört so ziemlich zum schlechtesten Schrifttum der Science Fiction, sieht man einmal von den ohnehin indiskutablen deutschen Schreiberlingen ab. Traurig für Sheckley und schade um mein Geld.
« Man sieht hier: deutschsprachige SF war zumindest für die beiden Rezensenten ein Ausbund an Trivialität, dem man sich nicht aussetzen wollte.
Nur für Sammler ist auch heutiger Sicht die »F.I.-Bibliographie mit einer Übersicht über alle 10 vorausgegangenen Ausgaben« interessant.

Zuletzt lohnt es sich aber auch noch einen Blick auf die Leserbriefe in Future Intoxication 11 zu werfen: So schreibt Raimund Schenk aus Ludwigshafen-Oppau: »Zur Umfrage: Wie weit ist der Tag der Venuslandung des Menschen entfernt? Falls bis 1990/95 keine solche Landung erfolgt ist, sehe ich, wegen dem dann fälligen Fiasko (Überbevölkerung etc.), schwarz. Wenn vorher der große Bumms erfolgt ist sowieso sense.
Auch können überraschende Erfindungen und Entdeckungen den Tag der Landung vorverlegen. Geht alles nach dem heutigen Schema weiter, so denke ich, daß die Sowjetunion zwischen 1985 und 1990 soweit sein dürfte.
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