Jul
24
2009
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Luna Times 10

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Luna Times 10

Herausgeber: Gruppe Bad Aibling-Rosenheim des Science Fiction Club Deutschland
Redaktion: Karl Gall, Peter Birkl, Thomas Höllmüller, Dieter Steinseifer, Klaus Hirsch, Franz Kratochwil
Auflage: unbekannt, Preis: ? DM, Umfang: 70 Seiten Din A4, Druck: Wachsmatrizenumdruck, Offsetdruck (Umschlag), Mai 1971

»LUNA-TIMES ist ein jugendeigenes und reines Amateurfanmagazin, selbsttragend und unabhängig.«

Wie auch schon in anderen Fanzines dieser Zeit, ist es vor allem die Rubrik »Leserbriefe«, die interessante Äußerungen bereithält. So schreibt ein Alexander Gloz aus Bad Aibling im Rahmen seines vierseitigen Lesebriefes, der sich auch mit einem Blick auf die zukünftige Technik beschäftigt, u.a. folgendes: »Die Erklärung der Wehrdienstverweigerer, aus “Gewissensgründen” den Wehrdienst zu verweigern, halte ich zu 95% für eine pure Ausrede. In meinen Augen sind dies Staatsfeinde, die nach dem Osten abgeschoben werden sollten«. Die Redaktion (Karl Gall) antwortet dazu »Sind Sie auch ein Anhänger der illusionären Ideologie “Waffen für den Frieden”? Glauben Sie, man kann einen Krieg dadurch verhindern, indem man sich für ihn rüstet? Historiker können ihnen bestätigen, dass dieser Versuch in 99% aller Fälle fehlgeschlagen ist oder zum wirtschaftlichen Bankrott der Beteiligten geführt hat. Es ist bezeichnend, dass die Leute, die sich weigern zu töten, als Staatsfeinde betrachtet werden, während diejenigen, die bereitwillig ihnen unbekannte Menschen umbringen würden, als treue Diener des Staates geachtet werden. Was muß das für ein Staat sein? Es existiert anscheinend immer noch der Aberglaube, dass Kriegsdienstverweigerer, politische Jugendzeitschriften und -organisationen vom Osten bezahlt werden, obwohl sich die meisten Anhänger obengenannter Gruppen genauso vom scheinkommunistischen Osten wie vom kapitalistischen Westen distanzieren.«

Daß dies ein Thema ist, das die junge Redaktion beschäftigt, zeigt auch der erste Artikel im Heft, der den Titel »Warum Science Fiction nicht nur Science Fiction ist« trägt und ebenfalls von Karl Gall stammt. Ich zitiere: »Es wurde uns sogar schon gesagt, wir wären ein Teil jener Gruppe, die systematisch alle Kommunikationsmedien unterwandere und dafür vom Osten bezahlt würde. Auf die grenzenlose Dummheit desjenigen soll hier nicht näher eingegangen werden. Ich will aber versuchen, den Standpunkt der Redaktion zum Thema Politik & SF darzulegen.« Im folgenden wird die These aufgestellt, dass Gesellschaft und Science Fiction in engem Zusammenhang stehen, aber auch der Standpunkt des SFCD verdeutlicht, der in dem einfachen Satz »Im SFCD ist kein Platz für Revolutionäre!!!« gipfelt. »Man kann dem SFCD den einen Vorwurf sicher nicht ersparen, nämlich, daß er nicht gesellschaftsverändernd wirkt und wahrscheinlich auch nicht will« Ein Gedanke, der in vielen Fanzines dieser Zeit zu lesen ist: die Literatur und das Hobby sollen nicht abseits der Politik und der Gesellschaft stehen, sondern sich im Gegenteil auch gezielt miteinander beschäftigen – ein Gedanke, den Robert Silverberg ein Jahr später bei seiner Ehrengastrede im Rahmen des HeiCons ins Heidelberg differenzierter betrachtete und dort forderte, daß die SF sich auch nicht der Politik oder der Gesellschaft unterordnen sollte.

Noch deutlicher macht die Redaktion aber ihre Einstellung in dem kurz darauf folgenden Text »Ohne Titel«, der auch als »Luna-Times-Doktrin« verstanden werden könnte: »Science Fiction ist ein Kommunikationsmittel zur Bewußtseinsmachung gesellschaftlicher Mechanismen. Durch Artikel und interessante, auch unterhaltende Stories kann unbedarften oder aufmerksamen und interessierten Personen auf indirekte Weise gesellschaftliche Zusammenhänge klargemacht werden.« und »Für uns ist Science Fiction keine Trivial-Literatur, kein Mittel der Unterhaltung, sondern es gibt uns – wie andere Kommunikationsmedien auch – die Möglichkeit in die Hand, viele aufgeschlossene junge Menschen anzusprechen.« Eine Einstellung zur Science Fiction, die heute sicherlich nicht mehr von sehr vielen Lesern des Genres in dieser Form geteilt wird, doch damals sehr deutlich das Fandom prägte.

In Luna-Times 10 finden sich aber auch Artikel ganz anderer Art. So beschäftigt sich Dr. Winfried Petri (1914-2000), der im gleichen Jahr auch außerplanmäßiger Professor am Institut für Geschichte der Naturwissenschaften dem LMU München wurde, mit der Idee »Mondunterkünfte« auf dem Erdtrabanten einzurichten – angesichts der Tatsache, dass erst zwei Monate vor dem Erscheinen dieser Ausgabe die vorletzte Mondlandung (Apollo 16) stattgefunden hatte, eine auf der Hand liegende Fragestellung. Thomas Höllmüller versammelt Kurznachrichten zur Astronomie (»Mond kein Teil der Erde«, »Außerirdische Wesen sollen den Mond gebaut haben.«), und Peter Birkl setzt seine Artikelreihe über das Sonnensystem fort.

Aus einer Entfernung von über 38 Jahren wirken manche Fandom-Meldungen, die in Luna-Times 10 zu finden sind, durchaus amüsant. »SFCD im Einschlafen. Allmählich möchte bald jeder Fan meinen, der SFCD sei wirklich dabei, für immer und ewig einzuschlafen, denn innerhalb des Clubs tut sich immer weniger, und Heinz-Jürgen Ehrig wirft nur andauernd große Entschuldigungen von sich her, dass er in der letzten Zeit keine Zeit gehabt hätte, für den Club aktiv zu sein.«. Immerhin kann man hier nachlesen, dass die bereits für Februar 1971 geplanten Andromeda Nachrichten 5 nun endlich am 5. April 1971 erschienen sind, und die Andromeda Nachrichten ab der Nummer 6 von einem Team zusammengestellt werden sollen. Ansonsten hofft man noch auf das Erscheinen des Fan-Adressbuches 1971, einer neuer SF-Tonbandkreis wird vorgestellt, und der Pfingstcon in Laichingen wird als »Fest der Phantasie« angekündigt, ebenso wie der SFCD-JahresCon, der am 20.-23. August 1971 erscheinen soll und u.a. ein AST-Con in Wuppertal.

Letztlich gibt es aber auch tatsächlich noch einen Artikel, der sich mit Science Fiction beschäftigt – eine Übersicht über den SF-Markt von Peter Birkl. So erschien im Bärmeier & Nickel-Verlag das »höchst interessante« Buch »Liebe 2000«, aber auch eine neue Tarzan-(Gesamt-)ausgabe. Bei Marion-von-Schröder wurde die Reihe »Science Fiction & Fantastica« mit vier Bänden fortgesetzt, der Hanser-Verlag führte die »Bibliotheca Dracula« weiter und auch im Insel-Verlag und bei Lichtenberg erschienen neue phantastische Romane.

Den Abschluß der Luna-Times 10 bilden SF-Kurzgeschichten von Frederic Brown, Dieter Steinseifer, Alfred Thönne, Ingomar von Kieseritzky und Klaus Hirsch.

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Jul
09
2009
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Future Intoxication 11

Future Intoxication 11

Future Intoxication 11 – eine Clubzeitschrift der »Science Fiction Interessengemeinschaft Harburg«

Herausgeber: Jürgen Heckert, Ehestorfer Weg 73, 21 Hamburg 90
Redaktion: Jürger Heckert,
Auflage: unbekannt, Preis: 1,50 DM (inkl. Porto), Umfang: 60 Seiten Din A4, Druck: Wachsmatrizenumdruck, Offsetdruck (Umschlag), Dezember 1969

»Future Intoxication ist eine jugendeigene Zeitschrift und seit dieser Nummer leider ein Egozine.«

Wenn man in den Keller geht und sich blind eine Ausgabe eines alten Fanzines angelt, kann es durchaus passieren, dass man die letzte Ausgabe des Fanzines erwischt – so wie in diesem Fall: »Wie Sie sich sicher erinnern werden, sollte die Nr. 11 am 1. September 1969 erscheinen. (…) Das Dumme war nur, daß meine lieben Mitarbeiter, noch bevor sie einen Handschlag getan hatten, ihren Dienst aufgaben. Da saß ich nun allein mit einem Haufen Arbeit«, schreibt Jürgen Heckert auf Seite 4 im Vorwort.

Vielleicht ist dies deshalb nicht gerade eine typische Ausgabe dieses Fanzines, aber zumindest bietet das Heft Kurzgeschichten und Rezensionen und sogar einen Artikel über mögliches außerirdisches Leben (»Gasballon – Tiere auf fremden Planeten« von Gustav Adolf Henning). Die Kurzgeschichte »Zufall« von Wilfried Rumpf ist eine kleine Fingerübung von nicht gerade hohem Niveau (heutzutage findet man oft sogar in Clubzines besseres), aber die nächste Story ist eine Überraschung: es ist nämlich ein bislang in keiner Bibliographie erwähnter Abdruck von »Die Invasion der Krabben« von A. Dneprow (gemeint ist Anatolji Dneprow, der Originaltitel lautet »Kraby idut po ostrovu«) mit der Übersetzung aus »Sowjetliteratur 5« von 1968. 1972 erschien die Geschichte u.a. übrigens auch in einem Goldmann-Taschenbuch als »Die Insel der Krebse«. Wiederum belanglos ist hingegen »Ich bin die Sonne (Auszüge aus dem Tagebuch Sols)« von Andreas Huhn.

Am schönsten und amüsantesten sind allerdings die Rezensionen in diesem Fanzine, die von Horst Pukallus und Jürgen Heckert stammen, wobei kein eindeutiger Nachweis erfolgt, wer welchen Text verfasst hat. Es genügt hier eigentlich zu zitieren: »Fern jeden „modernen“ SF-Geschwafels, dessen dümmste Machwerke gar mit einem Preis bedacht werden, dem sogenannten HUGO (benannt nach dem seligen Elektriker Hugo Gernsback, der ein Busenfreund des unheilbaren Graphomanen Walter Ernsting alias Clark Darlton war) findet man am Rande des Marktes immer wieder kleine Perlen, die mehr wert sind als das Geschmiere sämtlicher deutscher Pseudoschriftsteller zusammen. (…) Nichts für stumpfäugige Raumschlacht-Enthusiasten!«

Future Intoxication 11 - Das Vorwort

Future Intoxication 11 - Das Vorwort

Schön zu lesen ist aber auch die Kritik an einer Anthologie: »HOLDOUT ist seit langer Zeit der größte Absud, den zu lesen ich das zweifelhafte Vergnügen hatte, denn Sheckley schlägt sich hier mit Rassenproblemen herum. Zwei Raumfahrer, die aus dem gleichen Bundesstaat der USA stammen, sind sich nicht wohl gesonnen, denn der eine ist ein Halbindianer. Für diese reaktionäre Story hat Sheckley mindestens dreißig Jahre Dunkelhaft verdient.
Das Fazit: Die ganze Kollektion gehört so ziemlich zum schlechtesten Schrifttum der Science Fiction, sieht man einmal von den ohnehin indiskutablen deutschen Schreiberlingen ab. Traurig für Sheckley und schade um mein Geld.
« Man sieht hier: deutschsprachige SF war zumindest für die beiden Rezensenten ein Ausbund an Trivialität, dem man sich nicht aussetzen wollte.
Nur für Sammler ist auch heutiger Sicht die »F.I.-Bibliographie mit einer Übersicht über alle 10 vorausgegangenen Ausgaben« interessant.

Zuletzt lohnt es sich aber auch noch einen Blick auf die Leserbriefe in Future Intoxication 11 zu werfen: So schreibt Raimund Schenk aus Ludwigshafen-Oppau: »Zur Umfrage: Wie weit ist der Tag der Venuslandung des Menschen entfernt? Falls bis 1990/95 keine solche Landung erfolgt ist, sehe ich, wegen dem dann fälligen Fiasko (Überbevölkerung etc.), schwarz. Wenn vorher der große Bumms erfolgt ist sowieso sense.
Auch können überraschende Erfindungen und Entdeckungen den Tag der Landung vorverlegen. Geht alles nach dem heutigen Schema weiter, so denke ich, daß die Sowjetunion zwischen 1985 und 1990 soweit sein dürfte.
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