Mai
25
2009
0

Stellar Press No. 7

Herausgeber: SF-Gruppen Ulm, Laichingen, Geislingen
Redaktion: Holger Müller, Walter Kesekamp
Auflage: unbekannt, Preis: 1,20 DM, Umfang: 54 Seiten, Umdruck, 1971

Stellar Press No. 7

Stellar Press No. 7

»Nach einem weiteren Filmbesuch am 7. August 68 “Raumkreuzer Hydra – Schlacht im Weltraum” – ein sehr schlechter Film – wurde beschlossen, die Clubmitglieder auf allen einschlägigen Gebieten zu schulen.«
Dieser Satz ist ein Auszug aus der Historie der INTERESSENGEMEINSCHAFT SCIENCE FICTION GEISLINGEN, die zu diesem Zeitpunkt immerhin bereits drei Jahre (!) umfaßt. Ursprünglich als PERRY RHODAN-Club gegründet, beschloß man schon nach knapp 1 1/2 Jahren die Namensänderung, die wie folgt kommentiert wird: »Damit war man von PR herunter, denn SF ist nicht nur PR.« Man sieht also schnell: In den Siebzigern war für den aufrechten deutschen Science-Fiction-Leser die »größte Weltraumserie der Welt« eine triviale Versuchung, der es zu widerstehen galt, und die einen nur von der wahren Science Fiction ablenken wollte. Und die Clubmitglieder, die Anfang 20 sind, nehmen ihr Hobby sehr ernst.
Aber dieses im Umdruck erstellte Fanzine, das sich selbst gerne als »Zeitschrift« bezeichnet, enthält ansonsten auch viel typischen Fandom-Inhalt: es finden sich zwei Conberichte im Heft (wobei ein Con eigentlich nur ein Grillabend war, und sich der Bericht mehr auf die Mengen an Bier und Fleisch konzentriert, die hier konsumiert wurden), vier knappe Kurzgeschichten, ein Interview mit einem Leiter einer deutschen Sternwarte über das Thema UFOs und ein paar Neuigkeiten über das Heft verteilt (so z.B. das Ergebnis der HUGO-Awards 1971).
Ein mehrseitiger Artikel über die Fernsehserie UFO, die damals gerade im ZDF ausgestrahlt wurde, ist leider ein Abdruck, zeigt aber, was man sich eigentlich wünschte: der Artikel hängt sich weniger an der albernen Handlung auf, sondern stößt sich am »autoritären Gehabe« von Ed Straker, dem Chef der Geheimorganisation, die gegen die Ufos kämpft: »und das in einer Zeit, in der man Kaiser, Führer und greise Bundeskanzler gerade für überwunden hielt.«

Amüsant ist der Bericht vom SFCDCon in Wien, der vom 20.-23. August 1971 stattfand. Nach guter Fan-Tradition widmen sich die ersten Absätze dem Thema der Anreise. Aber irgendwann landet jeder Fan im Conlokal, wo sich »der Raum mit Zigarettenqualm und anderen Gerüchen füllte.« Am Freitag bestand das Programm aus einem Besuch des Wienerwalds (»Einem richtigen Wald mit Bäumen und drum und dran«), bevor es dann zum Heurigen ging. »Für Unwissende: ein Heuriger ist ein Lokal, in dem es von Touristen nur so wimmelt, wo der Wein sauer, dafür aber teuer ist und, was das wichtigste ist, sogenannte “Schrammelmusik” gemacht wird.« Der Samstagmorgen war der MV gewidmet, bevor dann laut dem Berichterstatter Vorträge von Winfried Petri und Peter Krassa (»Ein Kursus im Schnellsprechen«, so der Kommentar) folgten. Der Bunte Abend war eine Diashow mit Fotos von anderen Cons (kommentiert von Axel Melhardt), dem dann ein französischer SF-Stummfilm folgte. Am Sonntagvormittag gab es für die Fans dann noch »Charly«, die Verfilmung von Daniel Keyes Roman »Flowers for Algernon«, zu sehen, außerdem hielt Herbert W. Franke noch einen Vortrag über Zukunftsforschung. Kurz und gut: das Programm war aus heutiger Sicht knapp, aber abwechslungsreich gehalten.

Fazit: Stellarpress erweist sich als amüsantes Fanzine, das auch heute noch zu unterhalten weiß!

Written by in: Allgemein | Schlagwörter:
Mai
22
2009
0

Fandom Observer 1/83

Fandom Observer – Zeitschrift für Hintergrundinformationen zum fannischen Geschehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, No. 1/1983
Herausgeber: ZALMANAZZAR Association, München
Redaktion: Stefan B. Sczykowsky
Auflage: 500 – 1000 Exemplare, Preis: kostenlos, Umfang: 6 Seiten, Kopie

Fandom Observer 1/83

Fandom Observer 1/83

Wenn man selbst zum Redaktionsteam eines Infozines gehört, das seit seinem Start im Jahr 1989 den Name FANDOM OBSERVER trägt, wird man natürlich hellhörig, wenn man in seiner Fanzinesammlung auf ein Pamphlet stößt, das denselben Titel trägt. FANDOM OBSERVER 1/83 erschien im Mai 1983 im Rahmen der Aktion Zalmanazzar.
Diese war das Produkt eines für damalige Zeiten typischen Fandom-Zwists, bei dem es um eine zerbrochene Liebschaft, mehrere aktive Fans in den frühen Zwanzigern mit Ego-Problemen und den Club SFC DIE TERRANER und die Fanzines RHODANITE und LONELY WORLDS ging. Mehr über die Protagonisten heute noch zu schreiben, ist eigentlich unnötig. Die meisten sind längst GAFIA oder bei Follow gelandet (der Endlagerstätte für viele Fans), nur noch ein, zwei sind tatsächlich heute noch aktiv und immer noch ähnlich bissig. Trotzdem will ich noch das Vorwort dieses 6-Seiters zitieren, denn es zeigt, wie wichtig man sich damals und das Fandom nahm:

»Der FANDOM OBSERVER (FO) entstand anläßlich der Notwendigkeit, das Fandom über einige, wie uns scheint, besorgniserregende Dinge zu informieren.
Wie seinerzeit der von Frank Böhmert, Berlin, herausgegebene TIGER I, soll auch der FANDOM OBSERVER die aktiven und weniger aktiven Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Dinge informieren, die auch sie betreffen könnten. Zudem will der FANDOM OBSERVER offiziell zur Hilfe aufrufen, zur Hilfe gegen Machenschaften, die der Allgemeinheit – in diesem Falle dem Fandom – schaden könnten, zur Hilfe für Hilfesuchende, für von Hetzkampagnen Bedrohte und mehr.
Vor allem jedoch soll der FANDOM OBSERVER informieren – ausführlich, mit einem Maximum an stichhaltigen Informationen, und möglichst sachlich. Daß in dieser 1. Ausgabe wie auch in den folgenden bereits Schlüsse gezogen, Annahmen und Behauptungen aufgestellt werden, ist keine manipulatorische Absicht, sondern einfach nur der Wille zum Versuch, das Fandom aufzurütteln, aktiv zu werden, zu helfen und zu agieren.
Und dies erreicht man bekanntermaßen am besten durch – PROVOKATION!
Der Herausgeber.

Wie auf der Titelseite des FO 1/83 deutlich zu erkennen, droht einem deutschen Fanzine – LONELY WOHLDS, herausgegeben vom SFC Die Terraner, Köln – Gefahr. Und nicht nur diesem Fanzine, sondern auch dem herausgebenden Club selbst.
Um beide vor Schädigung und einem eventuellen Untergang zu bewahren, wurde im März/April 1983 die ZALMANAZZAR Association gegründet, eine Aktion, die in erster Linie informieren will, in zweiter Linie und deshalb nicht weniger dringlich zum Boykott aufrufen will, zum Boykott gegen Leute, die einen Club und sein Fanzine ins Verderben stürzen wollen.
«

Ein Zeitdokument, das viel über das Fandom in den frühen 1980ern verrät…!

Written by in: Allgemein | Schlagwörter:

Powered by WordPress. Theme: TheBuckmaker. Network: SF-Fan.de-Portal.